Gemeinsam oder allein
„Wie oft gehen Sie ins Theater?“ ist eine Frage, die fast niemand genau beantworten kann. Menschen schätzen, runden auf und nennen eher, was sie für ein vernünftiges Maß halten, als was sie tatsächlich getan haben. Der Fragebogen fragt deshalb zwar auch danach, was Sie interessiert und wohin Sie gehen — Bühne und Musik, Museen und Bibliotheken, Kino, Feste im Viertel, Parks und Sport, Angebote außerhalb der Stadt und im Netz. Sein Kernstück ist aber ein anderes: mit wem.
Mit wem Sie meistens unterwegs sind, wie oft Ihr Haushalt zusammen etwas außer Haus unternimmt, von wem die Anregung dazu ausgeht — und mit wem Sie hinterher darüber sprechen. „Und von wem geht die Anregung meistens aus?“ ist eine Frage, die in keiner Besucherzählung vorkommt und trotzdem oft mehr über einen Abend entscheidet als das Programm.
Warum das für die Auswertung zählt
Weil Begleitung veränderbar ist und Interesse es kaum ist. Wer hat es vorgeschlagen? Gab es jemanden, mit dem man hingehen konnte — und jemanden, mit dem man danach darüber sprechen konnte? Wenn Freizeit und Kultur irgendwo Gemeinschaft stiften, dann in diesen Einzelheiten, und an ihnen lässt sich etwas ändern, während sich an einer Vorliebe nichts ändern lässt.
Zwei weitere Zugänge stehen daneben. Der eine fragt, was abhält: Preis, Uhrzeit, Weg, fehlende Begleitung — oder das Gefühl, nicht gemeint zu sein. Der andere nimmt einzelne Angebote stellvertretend genauer in den Blick, und zwar nicht mit der Frage, ob Sie hingehen, sondern: Wen meint dieses Angebot — und fühlen Sie sich gemeint? Dafür braucht es keine besonderen Kenntnisse, nur Ihren Eindruck.
Die beiden Fragen zur Kindheit stehen aus demselben Grund dabei. Ob jemand heute hingeht, hat viel damit zu tun, ob es früher üblich war, und wenig damit, ob er es sich leisten könnte. Das ist keine Vermutung dieser Erhebung, sondern einer der am besten belegten Befunde der Kultursoziologie — belegt allerdings fast immer an Besucherinnen und Besuchern. Hier wird die Bevölkerung gefragt, also auch die, die nicht kommen. Genau deshalb kann diese Erhebung prüfen, ob der Befund auch für sie gilt — eine Publikumsstudie kann das nicht, sie sieht sie nie.
Was daraus nicht folgt
Keine Publikumserziehung. Der Fragebogen enthält keine Appelle, keine Veranstaltungshinweise und keine Angebote. Er fragt und wirbt nicht. Nicht hinzugehen ist eine ebenso gültige Antwort wie hinzugehen.
Kein Eingriff in die Kunstfreiheit. Die Ergebnisse beschreiben, was Menschen tun und was ihnen fehlt. Sie sind keine Vorgabe für Spielpläne. Die Freiheit der Kunst nach Art. 5 Abs. 3 GG bleibt unberührt.
Keine Rangliste der Häuser. Wo nach einer bestimmten Einrichtung gefragt wird, geht es um Wahrnehmung und Zugang, nicht um eine Bewertung, die sich zu einer Tabelle addieren ließe. Einzelne Fragebögen werden weder veröffentlicht noch weitergegeben.
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Was der Fragebogen der Reihe nach fragt, steht in der Kurzfassung Worum es im Fragebogen geht — acht Stationen auf einer Seite, ohne die Fragen vorwegzunehmen.
Die beiden anderen Teile stehen unter Leben in Düsseldorf und Ihre freie Zeit. Wer hinter der Erhebung steht, steht unter Studienleitung; wer für ihre Anlage einsteht, unter Stimmen.